
Im Schutzanzug unterm Kruzifix brachten Ronja und Frank Urbat Wolfachs kommunales Testzentrum während der Corona-Pandemie mit auf den Weg. Fotos: Pflege mobil an Wolf und Kinzig (3)/Tobias Lupfer
Der ambulante Pflegedienst Pflege mobil an Wolf und Kinzig setzt auf ein junges, motiviertes Team und flexible Strukturen. Frank Urbat gestaltet die Pflege nach seinen Werten – mit Blick auf die Zukunft.
Die Pflege hat Frank Urbat von der Pike auf gelernt und auch die weniger erfreulichen Seiten des Berufs in seiner Laufbahn kennengelernt. In seinem eigenen ambulanten Pflegedienst sollte es darum von Anfang an anders laufen. Ein Grundsatz, den sich Urbat bis heute bewahrt hat – und den er mit einem jungen, motivierten Team auch für die nächsten Jahre gesichert sieht.
Ergänzung am Markt:
Nach einer kaufmännischen Ausbildung und dem Wehrdienst in einem Bundeswehrkrankenhaus absolvierte der heute 64-Jährige eine Ausbildung zum Krankenpfleger. 1993 zog Urbat mit Frau Claudia und der Familie nach Schiltach und übernahm das Wolftäler Haus St. Vinzenz als Heim- und Pflegedienstleiter. Er organisierte den Umzug der Einrichtung 1994 von Schapbach nach Bad Rippoldsau. 2005 wagte er mit Pflege mobil an Wolf und Kinzig den Sprung in die Selbstständigkeit, um den Beruf, in dem er seine Berufung gefunden hat, mit den Schwerpunkten zu gestalten, die ihm am Herzen liegen. „Ich habe nie gedacht, dass es so erfolgreich wird.“ Es gehe um die Menschen – für die soll Pflege mobil eine Ergänzung zu den übrigen Angeboten sein.
Meilensteine in der Entwicklung:
Einer der wichtigsten Meilensteine in den vergangenen 20 Jahren war für Claudia und Frank Urbat neben dem Umzug in die eigenen Räume in der Hauptstraße 24 in Wolfach 2017 der Einstieg von Tochter Ronja ins Team im Juni 2019. Eigentlich nur als Übergangslösung gedacht, doch: „Irgendwann hat sich das ergeben und so positiv entwickelt“, sagt Frank Urbat. „Das war ein Wendepunkt. Jetzt gibt's eine ganz neue Zukunft. Ronja war ein Schlüssel für die Weiterentwicklung von Pflege mobil.“ Ihren beruflichen Weg in die Pflege begann Ronja Urbat in Kliniken im Kreis Rottweil und der Ortenau. Doch die Begeisterung für den Job als Gesundheits- und dämpften Krankenpflegerin fehlende Perspektiven, Zeitverträge und unsichere Rahmenbedingungen. So stieg sie ins Team von Pflege mobil ein – ursprünglich nur so lange, bis sie ihre Weiterbildung zur betrieblichen Gesundheitsmanagerin abgeschlossen hat. „Und dann hat's ihr wirklich richtig gut gefallen. Wir harmonieren bis heute sehr kollegial.“



Perspektive für junge Kräfte:
Und nicht nur das: Fast die Hälfte des heutigen Teams des Pflegediensts habe sich durch Tochter Ronja entwickelt, freut sich Frank Urbat. „Und hat den Altersschnitt ganz erheblich nach unten gezogen.“ Während andere Pflegeeinrichtungen händeringend nach Personal suchen, habe Pflege mobil während der Corona-Zeit neun Initiativbewerbungen bekommen. Fünf der jungen Frauen habe er eingestellt – unbefristet und ohne Probezeit, wie Urbat betont.
„Das sind die ganzen Jungen – die wären eigentlich ausgestiegen aus der Pflege. Und die habe ich alle halten können, im Gegenteil: Sogar noch aufbauen können.“ Viele der jungen Frauen im Team haben Familien gegründet, haben noch junge Kinder, fielen anfangs für den Pflegedienst als Arbeitskräfte aus. „Aber ich wusste: Sie kommen zurück.“


Weiterentwicklung im Team:
„Die Mitarbeiter brauchen einen großen Radius für selbstständiges Arbeiten“, ist Urbat überzeugt. Die Urlaubs- und Dienstplanung machen die Frauen selbst, einmal im Monat treffen sich alle dazu in der Zentrale in Wolfach. Im Alltag startet das Team in den markanten Pflege-mobil-Autos von daheim zu seinen Touren. Auch selbst ist Frank Urbat noch in der Pflege aktiv. Allerdings inzwischen längst nicht mehr täglich. „Das ist Luxus. Der Horizont ist viel breiter geworden, auch privat.“
Ein halbes Jahrhundert
„Ab 2032 würde ich mir wünschen: Ich bin raus aus der Pflege und unterstützte die Frauen administrativ“, blickt Urbat voraus. Das Jahresziel ist bewusst gesetzt: „Dann habe ich ein halbes Jahrhundert in der Pflege gearbeitet – das ist mein Ziel, das ist mein Wunsch, wenn ich gesund bleiben darf.“ Fließend soll in den nächsten Jahren der Übergang des Pflegediensts an die junge Generation stattfinden: „Sie bestimmen das Tempo.“ Ihn selbst habe bisher seine Frau Claudia „komplett unterstützt über 20 Jahre“, stellt Frank Urbat heraus. Im künftigen Team brauche es wohl zwei stellvertretende Pflegedienstleiterinnen, um das System am Laufen zu halten. Vorher steht die Weiterbildung: „Im Moment wäre es für sie aber noch keine Perspektive, sondern Druck – wegen der familiären Situation mit Kindern“, gibt Urbat dem jungen Team seine Zeit.
Einsatz über die Pflege hinaus:
Er habe inzwischen einen soziologischen Ansatz entwickelt, erklärt Frank Urbat: „Das ist für mich eigentlich alles eins – der Mensch und die Gesellschaft.“ So habe sich das Team in der Corona-Pandemie nicht zurückgezogen, sondern mit Maskenspenden und beim Aufbau des städtischen Testzentrums engagiert. Bei gesellschaftlichen Themen wie dem Erhalt der Notfallpraxis bezieht Urbat Stellung aus Praktiker-Sicht, auch gegenüber Politikern. „Alles, was schwer war, da haben wir uns überlegt: Was machen wir draus?“
VON TOBIAS LUPFER